Unsere Missionen

Wie viel New Work können wir behalten – und wie viel Old Work brauchen wir?

Beispiele aus dem Arbeitsalltag einer New Work Organisation

Rosa Palm | Makea Industries GmbH

Als Personalerin komme ich an ‘New Work’ gerade nicht vorbei. Wo immer ich hinschaue ist es das heiße Thema und je genauer ich schaue, desto schwindeliger wird mir, werden darunter doch so viele Ansätze, Ideen und Schlagworte zusammengefasst. Also erstmal einen Überblick gewinnen und aussortieren welche Themen für uns im Arbeitsalltag relevant sind.

Mit dem Fab Lab Berlin betreiben wir eine offene Rapid Prototyping Werkstatt, einen der lebendigsten und größten Makerspaces in Europa. Design-Thinking, Co-Creation und radikale Aufgaben-Fokussierung gehören zur DNA der Maker-Szene und prägen unser Unternehmen.

Aus der Beschäftigung mit digitalen Fertigungsmethoden im Fab Lab Berlin konnten wir wertvolles Wissen im Bereich AM (Additive Manufacturing, also 3D Druck als Produktionstechnologie) generieren und nutzen dieses mittlerweile mit unserem F&E Team für unterschiedliche Kunden und Partner. Durch verschiedene Kooperationen begegnen wir Regularien, Vorschriften und Anforderungen die uns zu der Frage bringen:

Wie viel New Work können wir behalten – und wie viel Old Work brauchen wir?

Aus einer Phase der Offenheit und radikalen Projektorientierung gilt es für uns zu definieren, an welchen Stellen wir Steuerung brauchen und an welchen Stellen wir uns die Offenheit unbedingt bewahren müssen. Ich finde wir sind auf einem guten Weg.

Eine Frage hat mir auf diesem Weg große Dienste erwiesen: “Was ist das Ziel?” Zwei Beispiele möchte ich mit Ihnen teilen:

Zur Abrechnung der geförderten Forschungsprojekte, in die wir involviert sind, haben wir vor knapp einem Jahr eine Zeiterfassung eingeführt. Auf den ersten Blick: ziemlich oldschool bzw. Old Work.

Die Zeiterfassung hatte dann aber noch einen zweiten, internen Zweck: In der Vergangenheit gab es besonders bei jungen Mitarbeitern ohne Arbeitserfahrung die Gefahr der Überarbeitung – denn die Grenzen ins Private sind im Fab Lab sehr fließend (New Work). Wir arbeiten dazu mit einer SaaS-Lösung, jeder Mitarbeiter hat einen Account und trägt dort täglich ein, von wann bis wann an welchem Projekt gearbeitet wurde und wann Pause gemacht wurde. Kein Hexenwerk also.

Ziel der Zeiterfassung ist es, dass die Mitarbeiter und wir (als Management und HR) einen guten Überblick über die Stunden haben, um Projekte abrechnen zu können (Old Work) – und gemeinsam mit dem jeweiligen Mitarbeiter dafür Sorge zu tragen, dass die Arbeitszeit im vertraglichen, gesunden Rahmen bleibt. Wichtig ist, den Aufgaben- und Ergebnis-Fokus zu bewahren und die Zeiterfassung nicht zum Selbstzweck werden zu lassen (was erschreckend leicht passiert). Also auch entspannt zu bleiben, wenn mal etwas nicht genau erfasst wurde, so lange das Ziel erreicht wird.

Auch ohne externe Anforderungen bewegen wir uns im Spannungsfeld Old Work - New Work:

Viele unserer Mitarbeiter sind in Teilzeit bei uns angestellt und setzen daneben ihre eigenen Projekte um. Ein Szenario, das in Zukunft in allen Unternehmen sicherlich zunehmen wird: Mitarbeiter, die sich Flexibilität neben der Anstellung wünschen, um einer Teilzeit-Selbstständigkeit, einem Hobby, einem Ehrenamt oder einfach auch ihrem Familienmodell nachzukommen. Auch hier machen wir einen Spagat zwischen Regulierung und Offenheit. Wir einigen uns mit Vertragsbeginn auf verbindliche Arbeitstage auf deren Grundlage dann beispielsweise der Urlaub berechnet wird. Im Alltag ist es kein Problem, von diesen Zeiten abzuweichen, wenn es mit der Teamleitung und den Zielen im Team abgestimmt wurde. Auch hier hilft eine Orientierung am Ziel: Wir wollen unseren Mitarbeitern hohe Flexibilität bieten, der entscheidende Parameter zur Regulierung sind die Projektziele.

Beide Beispiele betreffen grundlegende Strukturelemente und deren Ausgestaltung hat großen Einfluss auf die Organisationskultur die sich in diesen Strukturen entwickelt. Die Kunst besteht hier in der Haltung von HR: Regeln zu formulieren (Old Work), die aber selbstbestimmt und -gesteuert außer Kraft gesetzt werden können (New Work), wenn die wichtigsten, wertschöpfenden Parameter (z.B.: Projektziele) eingehalten werden.

Meine größte Erkenntnis: New Work ist wichtig – aber keine Lösung für alles. Im Gegenteil: Das Weiterführen alter HR-Produkte und Elemente ist es, was uns erlaubt so frei zu arbeiten. Denn auch bei New Work geht es nicht darum, das Rad neu zu erfinden – sondern eine zielorientierte Haltung und ein wohlwollendes Menschenbild zu entwickeln. Beides wird dabei helfen auszuwählen welche Modelle für das jeweilige Unternehmen hilfreich sind und welche Tools beibehalten, abgeschafft oder weitergeführt werden sollen.

Und das Aussortieren hat gezeigt: egal was man macht, zum Selbstzweck darf es nicht werden, das ist definitiv nicht New Work.

Über Rosa Palm

Rosa Palm ist seit Oktober 2017 Leitung HR bei der Makea Industries GmbH. Vorherige Stationen waren unter anderem die Mercedes-AMG GmbH, die Bundesagentur für Arbeit und die Meimberg GmbH.

Von der Konzern-Tochter, über die öffentliche Behörde bis hin zur Kreativwirtschaft hat sie viele Kompetenzen in alter und neuer Arbeitswelt entwickelt. Rosa Palm ist ausgebildeter Coach und leidenschaftliche Personal- und Organisationsentwicklerin.

Über MAKEA

Die Makea Industries GmbH bietet Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen im Bereich Additive Manufacturing an und unterstützt Firmen bei der Weiterentwicklung ihres Innovationsansatzes.

Mit dem Fab Lab Berlin betreibt Makea eine professionelle Prototyping-Werkstatt die Zugang zu digitalen Fertigungstechnologien ermöglicht. Das Fab Lab ist Teil des Open Innovation Space in Berlin, den Makea in Kooperation mit der Ottobock SE betreibt.

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